Galgenberg
Erinnerungen an ein Edgeland.
Es ist Sommer oder wenigstens Herbst. Man reißt das Moos und das Gras aus mit den Freunden und gräbt im Dreck und es riecht nach Wald oder Feld, nach Sonne jedenfalls. Aber die Erde ist schwarz und dunkel und die Steine, die so seltsam aussehen und gar nicht wie Steine, nicht wie von hier — sind keine Steine sondern etwas ganz anderes, ein drittes. Ein Asteroid oder ein Stück von ihm oder wenigstens ein Knochen, man ist ja auf dem Galgenberg.
Aber statt eines Galgens steht hier jetzt eine Antenne. Sie fasziniert, sie richtet. Sie zieht an und dann muss man hochklettern, schön vorsichtig. damit man nicht runter fällt, aber nicht zu langsam, was sollen denn die anderen denken. Und man klettert, die Sprossen zu klein, nicht nach unten schauen, und dann muss man von der Leiter auf die Plattform springen und dann sieht man sein Dorf von oben.
30 Meter, aber es fühlt sich mehr an. Und es geht noch weiter hoch. Man klettert gern, man kann ja nicht fallen. Man lacht und fühlt sich groß, man hat es geschafft, den Berg bezwungen, man steht auf dem Galgen.
Man wird noch einmal und noch einmal und noch einmal klettern und sich gut fühlen dabei, die Gefahr nicht unterschätzen aber sie genießen, den Rausch.
Man sieht die Russen in Dubai klettern auf YouTube oder Instagram.
Und dann die Fabriken. Die toten Vögel und Katzen, die alten Schreibtischstühle, die Aktenordner, die Feuerlöscher. Die Türen aufgebrochen und wieder zu gemacht mit einem Stein. Und irgendwann entdeckt man etwas anderes. einen Stollen vielleicht. Und man macht Feuer im Bergwerk und es stinkt und man lacht. Am Eingang die Spinnen, einer tut sie in ein Glas. Und dann noch ein Eingang, weiter unten am Berg, ganz klein. Es ist kalt, eingestützte Hallen, geflutete Gänge. Man ist interessiert, man kartografiert.
Man schaut Dokus über Höhlen, abends in den Sommerferien.