Internet für AnfängerInnen
Dass ich nicht alleine bin mit dem Traum vom besseren Internet war mir schon länger klar, aber dass auch echte Menschen ein Interesse an einem Internet abseits von "Social Media" haben könnten, habe ich erst heute begriffen (nämlich im Gespräch mit den echten Menschen, liebe Grüße) …
Und begriffen habe ich auch, dass das Problem gar nicht ist, dass die echten Menschen einfach zu faul sind, sich von Instagram und Twitter usw. zu verabschieden (oder sie gar nicht erst merken, dass ihnen die algorithmisch kuratierte Timeline irgendwie Schaden zufügt), sondern dass es einfach convenient ist, diese Plattformen zu benutzen: Es ist einfach und alle anderen sind auch da.
Dagegen ist nichts zu sagen, daran kann ich nichts ändern. Aber ich will versuchen, den echten Menschen den Zugang zu dem, was ich für ein besseres Internet halte, ein bisschen leichter zu machen.
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Meine Seite wird gehostet auf bearblog.dev, das ist eine einfache Blogging-Plattform mit einer relativ großen Community (und einem lieben Betreiber). Man kann sich einen kostenlosen Account erstellen und einfach los schreiben. Bear hat ein paar eingebaute Themes aber erlaubt auch, das Aussehen der Website mit CSS zu beeinflussen. Weil die Community so groß ist, gibt es sehr viele Ressourcen dazu, wie man seine Seite personalisieren kann (und darum geht es ja auch irgendwie).
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Bearblog erstellt einen RSS-Feed.1 Feeds sind Möglichkeiten, Blogs zu abonnieren, ohne dass es dazu eine gemeinsame Plattform braucht. Man kann also auch Blogs von anderen Plattformen, ganz normalen Websites, Youtube-Kanälen, Podcasts und Newsletters folgen. Dazu kopiert man den Feed-Link in einen Feed-Reader, ich benutze das nutze das minimalistische vore.website und NewsNetWire. Im Reader bekommt man dann jeden Post in einer chronologischen Timeline.
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Ohne einen Algorithmus ist es manchmal schwer, neues zu entdecken. Deswegen haben viele Websites eine Blogroll oder eine Linkpage, auf der auf andere interessante Websites verwiesen wird. Und es gibt Webrings in denen sich Blogs mit ähnlichen Interessen versammeln (ich bin großer Fan von den Seiten auf webring.xxiivv.com) und Aggregatoren wie powrss oder bubbles.town, auf denen Blogs gelistet werden. Außerdem gibt es Suchmaschinen, die auf kleine Websites spezialisiert sind wie Marginalia Search und Wiby.
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Außer Bearblog gibt es natürlich noch tausende andere Möglichkeiten, einen Blog oder eine Website zu hosten.2 Lustig ist blot.im, das ist ein Tool mit dem man (für 6€ im Monat) eine Website aus einem Ordner auf dem Computer erstellen kann, aber viel interessanter sind wahrscheinlich Neocities und Nekoweb. Das sind (kostenlose) Hosts für selbst-gebaute Websites, die noch mehr Möglichkeiten für self-expression bieten und gute Startpunkte, wenn man HTML und CSS lernen möchte (oder nur sehen, wie cool unsere Internetpräsenzen aussehen könnten).
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Wie schon gesagt träumen auch andere im Internet von einem besseren Internet. Oft ist das verbunden mit einer Nostalgie für ein Web 1.0, vor ein paar Jahren gab es eine kleine "Yesterweb"-Bewegung. Aber es gibt auch vorwärtsgewandtere Bestrebungen wie indieweb.org oder das 32-Bit Cafe. Und inzwischen gibt es auch viele Youtube-Videos über das bessere Internet, ich mochte den Basic Guide to the Personal Web und You should check out the Indie Web. Und wenn man "Social Media" ganz verlassen will, dann kann man sich Unplatform mal anschauen.
Und einen Atom-Feed. Atom ist ein bisschen neuer, aber eigentlich ist egal was man benutzt. Es ist halt ein Feed.↩
Substack ist eine Möglichkeit, aber keine gute. Nicht nur werden da seit Jahren Nazis gehostet, Substack ist auch genau so ein "walled garden" wie Instagram, TikTok oder Twitter. Wer weg von "Social Media" möchte, sollte Substack vermeiden.↩